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1915 in Bahnhofsnähe eingerichtet

Der Plan von 1921 zeigt die Anlage des Munitionsdepots, das vormals ein Kriegsgefangenenlager war. Senkrecht verläuft die Emsdettener Straße, rechts der Bahnhof.

Ein Lager in Neuenkirchen-Land: Platz für 1000 Kriegsgefangene

Dort, wo heute die Firma „Sun Garden" ihren Sitz hat, war einst ein Kriegsgefangenenlager für rund 1000 Gefangene. 1915 wurde das Lager in der Nähe des Bahnhofs in St. Arnold eingerichtet,  später diente die Fläche als Munitionsdepot.

Das Gelände zwischen Bahn-Radweg und Emsdettener Straße ist in die Diskussion geraten. Die Gemeinde will hier seit einem Jahr ein Gewerbegebiet einrichten. Doch nach dem Fund einer Granate und weiterer Artillerieteile hat die Bezirksregierung Arnsberg das Gelände auf Kampfmittel untersucht und 380 „Verdachtspunkte“ gefunden. Wie berichtet, sollen die Kampfmittel nun – soweit vorhanden – geräumt werden.

Gefangenenlager vor Munitionsdepot

Die Kampfmittel könnten von einem Munitionsdepot und einer Munitions-Zerlegestelle aus den 1920er Jahren stammen. Nahezu in Vergessenheit geraten ist offenbar die Tatsache, dass sich auf dem Gelände vor der Ansiedlung dieses Munitionsdepots ein Kriegsgefangenenlager des Ersten Weltkriegs befand. Spuren dieses Lagers hat auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ausgemacht. Nach der Beseitigung der Kampfmittel wollen die LWL-Archäologen durch Ausgrabungen dieses Bodendenkmal dokumentieren und gegebenenfalls sichern.

Schon in seinem Buch „Beiträge zur Geschichte der Gemeinde – 750 Jahre Neuenkirchen“ berichtete Heinrich Fischer 1997 darüber, dass die Militärverwaltung 1915 in Neuenkirchen-Land, heute St. Arnold, ein Kriegsgefangenenlager für rund 1000 Gefangene einrichtete (S. 209 ff.). Es lag an der Emsdettener Straße auf der gegenüberliegenden Seite des Bahnhofs – dort, wo heute die Firma „Sun Garden“ ihren Sitz hat.

Zunächst wurden französische Kriegsgefangene in dem Lager untergebracht, Schätzungen sprechen von bis zu 1000 Soldaten. Nach deren Verlegung kamen russische Kriegsgefangene in das Lager Neuenkirchen-Land, die bis Mitte 1916 blieben.

Das Gesamtgelände hatte eine Größe von 31 Hektar. Auf der linken Seite des Lagergeländes stand das Gefangenenlager mit besonderer Umzäunung. Weiter rückwärts befanden sich laut Fischer die Unterkunftsräume für ein Bataillon Infanterie. Rechts von der Emsdettener Straße standen die Verwaltungsbaracken und die Unterkünfte der Offiziere.

Förderbahnnetz in alle Teile des Lagers

Vom Ladegleis der Reichsbahn führte ein weitverzweigtes Förderbahnnetz in alle Teile des Lagers. Der eigene Betriebsmittelpark hatte 113 Plattformwagen, die von Pferden gezogen wurden. Die Beleuchtung erfolgte durch eine eigene elektrische Zentrale. Die Dynamos sind durch Dampflokomobile angetrieben worden.

Mehr ist über das Lager und seine Insassen in Heinrich Fischers Buch nicht überliefert – weder über die genaue Zahl der Kriegsgefangenen noch über ihre Verweildauer in Neuenkirchen.

Noch im Ersten Weltkrieg wurde das Lager offenbar zu einem Munitionslager umgebaut, in dem unter anderem auch Gewehrmunition und schwere Artillerie zerlegt wurden. Wie lange noch Kriegsgefangene dort untergebracht waren, geht aus Fischers Buch nicht hervor. Die auf dem Gelände vorhandenen Erdhütten wurden als Munitionslager verwendet. Im Anschluss an das Munitionslager sind am Weg noch eine Reihe Werkstattgebäude zum Reinigen und Laden von Geschossen gebaut worden. An der Bahn entlang errichtete man einige Schuppen, die für die Korbfärberei benötigt wurden. Weiter binnenwärts befanden sich die Pulvermagazine.

Autor: Jörg Homering
Tel: 05971/404-332
 

Quelle: MV-Online

 

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